Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, Deutschland wird in der Hauptschule verteidigt!
Volker Pispers
Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
Karl Lagerfeld
Beide Zitate sind Teil des folgenden Interviews. Neben korrekter Kleidung in der Schule geht es auch um den Umgang mit Smartphones und Tablets, die sinkende Leistungsbereitschaft der Schüler oder auch um die Zunahme ordnungsrechtlicher Maßnahmen einschließlich ihrer Gründe.
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Meine Empfehlung: Lehrplan Ethik Sekundarschule, Sachsen-Anhalt. – Unter dem YT-Video von Herrn Krötz kann man leider nicht kommentiert – aber hey, hier kann man seinen Senf dazu geben 😉 – Ich bin sehr dankbar für ihr Gespräch mit Herrn Krötz, denn ich habe, bei all den vielen „Bildungsvideos“ die es bei YT so gibt, noch nie meinen Alltag als Realschullehrer (grundständig ausgebildet), so klar beschrieben vernommen. Ich kann jeden Handwerker verstehen, der darauf schimpft, dass unsere Schüler mit so wenig Kenntnissen ins Berufsleben starten. Was ich Ihnen mal nahelegen möchte, Herr Paulis, ist der Lehrplan Ethik Sekundarschule Sachsen-Anhalt. Sie werden aus dem Stauen, vielleicht auch Lachen, vielleicht auch Weinen nicht mehr herauskommen. Ganze Fünf Kompetenzen gilt es in sieben Kompetenzschwerpunkten zu entwickeln, die unendlich allgemein und wolkig beschrieben werden und sich aller zwei Jahre wiederholen. In welcher Form diese Kompetenzentwicklung konkret ablaufen soll, habe ich offengestanden damals im Referendariat nicht herausgefunden, aber ich habe eine schöne Abschlussarbeit dazu geschrieben und entsprechende Prüfungsstunden gut bestanden. Am Ende schaut man aber doch nur einmal im Monat auf die GWB, die Grundlegenden Wissensbestände, damit man sich nochmal vergegenwärtigt, was sollen die Kinder am Ende wissen – damit man den Lehrplan auch gerecht wird. That’s it. Wieviel Energie- und Zeitverschwendung für solch einen Lehrplan, es ist der pure Wahnsinn. Wenn man mit Kollegen über den Lehrplan spricht, merkt man, dass selbst in den einfach gehaltenen GWB’s keiner so recht weiß, was gemeint ist. Hier ein Beispiel für Klasse 5, Kompetenzschwerpunkt „Freiheit und Vernunft“: „Freiheit (Willentlichkeit und Zurechenbarkeit) im Unterschied zu Schicksal, Notwendigkeit, Zufall“ – Das ist ein Stichpunkt in den GWB und daraus kann ich eine einzige Unterrichtsstunde oder eine halbes Jahr machen. Jeder Lehrer macht das anders, jeder versteht etwas anderes darunter, jeder setzt etwas völlig anderes voraus, wenn er eine neue Klasse übernimmt. Seiteneinsteiger sind völlig überfordert und geraten regelmäßig in Panik, dass sie den Lehrplan nicht umsetzen würden. Ich versuche ihnen zu vermitteln, das sie das nie können werden, niemand kann das, nicht so wie er dasteht. – Die Bücher sind ebenso ein Graus (Verlag Militzke). Nahezu kinderfeindlich geschrieben, vor allem für Realschüler selten fassbare Texte und fern jeglichen, behaupteten Lebensweltbezuges (der übrigens in der Didaktik auch völlig überschätzt wird). – Das wollte ich mal los werden. Ich liebe meinen Beruf, aber die politischen Entscheidungsträger, die Verlage und die bis ins Mark verstrahlte Universitätspädagogik unternimmt ihr Bestes um mir diese Liebe auszutreiben. – Viele Grüße aus dem Nachbarbundesland 😉
Es geht doch nichts über die Kompetenzenkompetenz. Diese ist notwendige Voraussetzung dafür, den ganzen Kompetenzendschungel zu durchblicken.
Beim ersten Überfliegen des o. g. Lehrplans muss ich den beschriebenen Eindruck bestätigen. Reden ohne etwas zu sagen – oder so…
Grossartige Diskussion/Gespräch – kann alle Beobachtungen im wesentlichen bestätigen, auch wenn ich sie aus der noch komfortablen Perspektive eines Gymnasiallehrers wahrnehme. Leider wollen die Kultusbehörden der Länder den einmal eingeschlagenen Weg nicht korrigieren und so geht unsere Schulbildung und damit auch unsere Zukunft (in Gestalt unserer Kinder) den Bach runter.
Kämpfen sie weiter für eine Reform im Bildungswesen. Für mich haben sie Leuchtturm-Funktion. Danke!
Irgendwann kommen diese Verhältnisse in der Deutlichkeit auch am Gymnasium an. Vielleicht tut sich dann etwas. Denn wenn über Bildung seitens der Obrigkeit gesprochen wird, geht es eh immer nur um die Gymnasien.