Am Mittwoch, 26.03.2025 erschien im Patriot (Lippstädter Tageszeitung) ein Artikel betitelt mit „Handys aus – Hirn an“ zum Umgang mit Smartphones in den Lippstädter Schulen.
„Von 470 Schülern haben 469 eins“, sagt Steffen Pauli, Schulleiter der Edith-Stein-Realschule.
Später im Text werde ich wie folgt zitiert:
Während des Unterrichts und in den kleinen Pausen ist die Nutzung des Handys untersagt. Nur in der Mittagspause (12.20 Uhr bis 13.05 Uhr) ist der Gebrauch gestattet – ausgenommen in derMensa. „Die Regeln sind das eine, die Realität kann eine andere sein“, berichtet Schulleiter Pauli. In der Jahrgangsstufe 5 mit vier Klassen läuft ein Pilotprojekt: Dort werden alle Smartphones morgens um 8 Uhr in ein Handy-Hotel gelegt. In dem Wand-Tresor, einer abschließbaren Metallbox mit 30 Fächern, landen alle Smartphones der Schüler, von der ersten bis zur letzten Unterrichtsstunde.
Rund 300 Euro kostet so eine Aufbewahrungs-Box.
Wird ein Schüler erwischt, wenn er unerlaubt das Handy nutzt, wird es einkassiert und erst nach Schulende wieder ausgegeben. Schulleiter Pauli schildert, dass eine Sechstklässlerin völlig hysterisch und aufgewühlt reagierte, als man ihr das Handy bis zum Unterrichtsende wegnahm.
„Das waren Entzugserscheinungen“, so Pauli. Er würde es begrüßen, wenn Schulen zu handyfreien Zonen werden. „Einige Jugendliche hängen wie Marionetten an den Dingern. Die Smartphones stören das soziale Miteinander, haben gravierende Auswirkungen auf die psychische Entwicklung.“
So weit – so gut.
Die Bundesvorsitzende des Philologenverbandes Prof. Susanne Lin-Klitzing sagt:
Privathandys gehören nicht in den Unterricht! Die Schule muss wieder ein Ort der geschützten Kommunikation werden!
https://www.news4teachers.de/2025/03/stellen-ja-auch-nicht-wodka-ins-kinderzimmer-philologen-fuer-strenge-handy-verbote/
Von mir bei oben erwähntem Interview nicht erwähnt, geht Lin-Klitzing zudem auf die Gefahren durch Cybermobbing und den entstehenden sozialen Druck ein.
Lin-Klitzing weiter:
Schule ist kein digitaler Marktplatz für soziale Netzwerke – sie muss ein Raum für Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und respektvollen Austausch bleiben.
Die Folgen des ungezügelten Gebrauchs von Smartphones werden nicht zuletzt von Psychologen und Psychiatern immer wieder angemahnt:
- Die sofortige Beschäftigung mit dem Smartphone unmittelbar nach dem Unterricht verhindert das Anlegen der notwendigen Verknüpfungen im Hirn, um das Gelernte auch zu behalten. Übrigens ist das Musik-Hören an dieser Stelle genau so schädlich: Die Festplatte wird quasi formatiert.
- Der Dopamin-Haushalt wird mit all den daraus entstehenden Problemen gestört: Sucht, Konzentrationsstörungen, Depressionen.
- Die Kinder bekommen völlig falsche Rollenbilder vorgegaukelt. Nicht nur übertriebene Schönheitsideale sind ein Problem, sondern auch der freie Zugang zu Gewaltverherrlichung (nichts anderes sind Egoshooter oder Action-Videos) oder Pornographie.
Komplettes Elternversagen? Ja und nein. Auch Eltern unterliegen dem sozialen Druck, ihre Kinder nicht zu Außenseitern zu machen, mit allen Folgen. Aber auch der fast schon verantwortungslose Umgang mit den neuen Medien ist zu beklagen. Wenn Eltern selbst Handy-Junkies sind… Außerdem kann man ohne viel Aufwand Kinder so bequem mit Handy oder Tablet „ruhigstellen“.
Wer Kinder hat, hat auch die Verantwortung für sie. Das schließt ein, die Risiken der ungebremsten Nutzung jeder Art von Medien zu kennen und nicht einfach zu ignorieren oder Gründe zu erfinden, warum ein 10-jähriger unbedingt ein Smartphone benötigt, so z. B., weil er ja mit dem Bus zur Schule fährt.
Hessen wagt eine zaghaften Versuch:
Immerhin. Scheinbar haben die Schulpolitiker keinen wirklichen Mumm, sich hier durchzusetzen. Oder ist es ein Kniefall vor der Wirtschaft? Smartphones samt internetfähigen Verträgen sind schließlich eine gute Verdienstquelle.
Wir werden an unserer Schule den eingeschlagenen Weg (Handyhotels) unabhängig von politischen Irrungen fortsetzen. Beginnend mit dem neuen Schuljahr werden die neuen Klassen 5 wieder mit den Handyhotels bestückt.
Es ist einfach schön zu sehen, dass unsere Fünftklässler in der Mittagspause wieder das machen, was 10- oder 11-jährige so tun: miteinander spielen statt stumm in der Ecke vor ihrem Handy zu sitzen. Wie gesagt: Handys aus – Hirn an!
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